Statements

Eva Blimlinger

Akademie der bildenden Künste Wien


Die Orte der Inspiration befinden sich dort, wo Projekte entstehen und künstlerisch-wissenschaftliche Konzepte diskutiert werden, wo Studierende und Lehrende gemeinsam arbeiten und produzieren, wo Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, NGOs, Galeristinnen, Sammlerinnen, Journalistinnen, Kuratorinnen, Architektinnen, ja und vielleicht sogar Politikerinnen ihre Vorstellungen präsentieren und umsetzen, wo Zuwanderinnen willkommen sind, wo Wien international und weltoffen ist – das ist die Akademie der bildenden Künste Wien.


Klaus Albrecht Schröder

Albertina


Im Grunde mache ich Ausstellungen nur, um meine fehlenden Möglichkeiten zum Sammeln zu kompensieren, welches die kreativste Aktivität überhaupt ist – vor allem dann, wenn es um Kunst geht. Der Sammler eignet sich Kunst nicht physisch, sondern geistig auf eine Weise an, wie es keine noch so intensive kunsthistorische Betrachtung vermag. Seiner Tätigkeit am nächsten kommt die temporär befristete Aneignung von Kunst durch Ausstellungen. Daher ist mein Beruf – nach dem des Sammlers – der zweitschönste der Welt.

 

 

Dietmar Steiner

Architekturzentrum Wien

Architektur bringt keine Sammlerobjekte in herkömmlichem Sinn hervor, wenn auch das Archiv des Az W einen hochkarätigen Sammlungsort darstellt. Betrachtet man Wien jedoch als Schauplatz herausragender Bauten, würde die Stadt selbst als Sammlerin auftreten, die mit jedem weiteren Architekturobjekt an Wert gewinnt. So viel zu den Beweggründen – wünschenswerterweise vonseiten entsprechender Auftraggeber –, leidenschaftlich und vor allem qualitativ hochwertig am Standort Wien Architektur zu sammeln.

 

 

Agnes Husslein-Arco

Belvedere

Bei einem Museum ist das Sammeln in erster Linie durch hohe Verantwortung geprägt. Leidenschaft, Intuition sowie das Interesse, Neues zu entdecken, sind dabei wichtige persönliche Motive. Um aber den Sammlungsauftrag einer Institution zu erfüllen, sind Erfahrung, Sorgfalt sowie ein großes Wissen um den Bestand die zentralen Entscheidungsträger. Die Sammlung ist die Basis, die es so stringent wie möglich zu erweitern, aber mitunter auch fruchtbar zu kontrapunktieren gilt.

 


Gerhard Hirczi

departure

Dem sensiblen Umgang mit der Schnittstelle zwischen Kunst, Kultur und Wirtschaft wird in Zukunft eine zentrale Bedeutung zukommen. Damit ist nicht das Kommerzialisieren von Kunst gemeint, sondern die verstärkte Einbindung von Kreativität und Innovation in das politische, soziale und wirtschaftliche Geschehen. Es wird immer wichtiger, der Kreativität ihren Stellenwert als wesentlichen Motor der Gesellschaft einzuräumen – nur so kann sich ihre ganze Kraft entfalten. Gerade in Wien – einer Stadt, die weltweit als Kunst- und Kulturmetropole bekannt ist – sollte dies selbstverständlich sein.

 


Karlheinz Essl

Essl Museum

Kunst der Gegenwart

Es ist ein Privileg, sich mit Kunst zu beschäftigen, sie zusammenzutragen und zu zeigen. Meine Frau und ich tun dies seit mehr als 50 Jahren. Auch wir haben einmal klein angefangen. Entscheidend ist, dass wir mit derselben Leidenschaft wie am Anfang sammeln. Hinter jedem unserer bisher 7 000 Kunstwerke stehen eine Geschichte und Künstler mit einer Aussage, und genau dies macht ein Werk so interessant. Unsere Aufgabe besteht darin, die Menschen zu motivieren, sich mit Kunst zu befassen. Wir sind Sammler und Vermittler, das Museum ist ein sich ständig wandelnder Ort der Kommunikation.

 


Alexander Horwath

Österreich-

isches Filmmuseum

In Wien ist derzeit gerade an den Schnittstellen von Kunst und Film eine sehr schöne Entwicklung bemerkbar – genau in diesem Bereich ist auch das Filmmuseum aktiv. Einige Ausstellungshäuser haben ihren Umgang mit dem bewegten Bild sehr professionalisiert. Und wir finden immer öfter Museumspartner, die sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf die Präsentationsweise unsere Grundsätze teilen. Zwei wunderbare Beispiele für fesselnde Ausstellungen an dieser »Schnittstelle der Künste« waren in diesem Jahr die mumok- Shows »Tacita Dean. The Line of Fate« und »Florian Pumhösl. 678«.

 

Sabine Folie

Generali Foundation

Sammeln kann aus ganz prosaischen Gründen geschehen und wenig mit Leidenschaft zu tun haben, oder auch philanthropisch im Sinne eines bildungspolitischen Auftrags sein. Ich liebe viele Kunstwerke, aber ich muss sie deshalb nicht besitzen; vielleicht könnte man paradigmatisch für meine »Leidenschaft« eine literarisch angelegte Kunst wie die von Ian Wallace – »An Attack on Literature I & II« von 1975 – nennen. Literatur kommt in diesen Bildern in Bewegung: Der deus ex machina aus der Schreibmaschine attackiert förmlich die Protagonisten. Gute Literatur ist elektrisierend und das Bildwerden des Literarischen ist aufregend.

 


Danielle Spera

Jüdisches Museum Wien

Wien ist gerade durch sein umfassendes Kulturangebot so attraktiv. Am liebsten halte ich mich auf dem Judenplatz auf, wo die jüdische Geschichte in Wien ihren Ursprung hatte. Im Mittelalter war dieser Platz das Zentrum der jüdischen Gemeinde, bis zu ihrem tragischen Ende 1421. Noch heute können unter Rachel Whitereads Shoah-Mahnmal die Fundamente der mittelalterlichen Synagoge besucht werden. Für mich ist das ein sehr spiritueller Ort. Am Judenplatz ist auch die Synagoge einer kleinen orthodoxen Gemeinschaft beherbergt. An der Schnittstelle Kunst lässt sich hier die jüdische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eindrucksvoll erfassen.

 


Gerald Matt

KUNSTHALLE wien

Eine Kunstinstitution sollte heute, wenn sie ein vitaler impulsgebender Ort in einer Gesellschaft sein will, als soziales Wesen wahrgenommen werden – im Sinne des Philosophen Gianni Vattimo. Mit thematischen Ausstellungen von »Superstars« bis »Street as Studio« hat sich die Kunsthalle Wien als Spiegel von Lebenswelten und Jugendkulturen etabliert. Kunst wird dabei nicht als Ausstattung eines Elfenbeinturms verstanden, sondern als Kommunikationsprojekt künstlerischer Ideen und Haltungen. Auch die Themen 2011 »Das Surreale in unserer Welt« und »Kunst und Mode« machen klar, dass Kunst und Leben keine Gegensätze sind.

 


Franz Patay

KUNST HAUS WIEN

Bei der Definition der Rolle von Kunstinstitutionen ist es hilfreich, einen Blick auf die Einheit von Leben und Kunst in vielen Künstlerbiografien zu werfen. So zeigt bereits das Frühwerk Friedensreich Hundertwassers alle Aspekte, die später in seinem bahnbrechenden ökologischen Engagement und der Vision eines menschengerechten Bauens im Einklang mit der Natur wirksam wurden. Dementsprechend können sich Kunstinstitutionen als Vermittler von Leben und Kunst begreifen, welche Ideenwelten aus der Kunst heraus verständlich machen, zugleich aber auch Kunst im Lebenszusammenhang darstellen.

 


Sabine Haag

Kunsthis- torisches Museum

»Reflecting Reality« als Motto der diesjährigen VIENNA ART WEEK verweist auf einen wesentlichen Aspekt von Kunst: das Nachdenken des Künstlers über die bestehende Welt. Dieser Aufgabe fühlte er sich in den verschiedenen Jahrhunderten verpflichtet. Dabei erschafft er Utopien, liefert Denkanstöße und neue Sichtweisen. Mit der Wiedereröffnung der Kunstkammer 2012 leistet das KHM hierzu einen wichtigen Beitrag. Als eine Art Mikrokosmos der Gesellschaft reflektieren diese enzyklopädischen Sammlungen die aktuellen Entwicklungen der jeweiligen Zeit.

 


Peter Bogner

Künstlerhaus

Die zentrale geopolitische Lage und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konstellationen eines erweiterten Europas geben den Kunstinstitutionen Wiens die Möglichkeit, den Blick auf die kreativen und künstlerischen Ressourcen und Diskurse zu lenken, welche in dieser Vielzahl und Vielfalt kaum anderswo anzutreffen sind.

 

Bettina Leidl

KÖR

Kaum eine andere Form der Kunst ist so leicht so vielen Menschen zugänglich wie die Kunst im öffentlichen Raum. Sie beeinflusst das Stadtbild, stärkt die Identität einzelner Stadteile und ermöglicht allen Wienern und Besuchern einen niedrigschwelligen Zugang zu zeitgenössischer Kunst. Ich bin davon überzeugt, dass sie wesentlichen Einfluss auf das Bild einer Stadt nimmt und aufzeigen kann, wie diese mit ihrer Geschichte, ihren Problemen umgeht, denn Kunst im öffentlichen Raum macht Dinge sichtbar, die so in der Gesellschaft nicht sichtbar sind.

 

 

Tobias Natter 

Leopold Museum

Was macht die Stadt derzeit so anziehend?
 
Meine Rückkehr nach Wien lässt mich die Stadt entdecken: Es bieten sich neue Herausforderungen und das kulturelle Leben ist besonders spannend. Wien präsentiert eine entspannte Vielfalt an kulturellem Angebot, die Dichte an Institutionen bietet Hochkarätiges und schafft belebende Konkurrenz, über die ich mich freue. Das Wiener Publikum und die internationalen Besucher sind sehr kunstinteressiert, durch den Facettenreichtum entsteht die Lust auf mehr! Bestes Beispiel dafür ist das dynamische Wiener MuseumsQuartier: eine Schnittstelle von Kunst und lebendigem Alltag – eine bunte Palette an Begegnungen und Möglichkeiten, Impulsen und Inspiration!


 

Johann Kräftner 

LIECHTEN-
STEIN, The Princely Collections

Eine Ausstellung zu Lucas van Leyden präsentierte neben Gemälden und hochkarätigen Zeichnungen auch kleine Graphiken. Diese Juwelen, die sicher gravierten Linien, die saftigen Drucke, ihr vom Alter kaum gezeichnetes Papier und ihre unterschiedlichen Zustände faszinierten mich. Von Experten manchmal »nur« als Druckgraphik abgetan, sind sie für den Kenner Einzelstücke, die sich schnell erschließen und oft mehr über einen Künstler aussagen als größere Werke. Zum Glück befindet sich in den Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein ein Nukleus dieser kleinen Meisterwerke.


 

Christoph Thun-
Hohenstein

MAK

Die Globalisierung hat vor der zeitgenössischen Kunst nicht haltgemacht. Umso wichtiger ist es, unverwechselbar zu sein. Hin- und hergerissen zwischen Altem und Neuem, macht der Genius Loci Wiens neugierig auf Kunst – und die ganze Stadt wird zu einem inspirierenden Ort. Als Museum für angewandte Kunst, Design, Architektur und Gegenwartskunst ist das MAK den vielfältigen Schnittstellen zwischen Kunst und realem Leben besonders verpflichtet und will in diesen Sparten und durch deren Verknüpfung maßgeblich zu einem positiven Wandel unserer Gesellschaft beitragen.


 

Karola Kraus

mumok

Wien vereint ein breites kulturelles Angebot mit hoher Lebensqualität. Selbst mit großen Metropolen wie New York, Paris oder London kann Wien konkurrieren. Meine Lieblingsorte sind »Genusstankstellen «: Kulinarisch fühle ich mich am Naschmarkt wohl, Galerienspaziergänge verbinden meinen Beruf mit meinem Hobby, inspirieren lasse ich mich bei Ausstellungsbesuchen. Kunst und Kultur bereichern für mich nicht nur das Leben, sondern sind essenziell – und genau das möchte ich im mumok, den Besuchern mitgeben: Begeisterung für Kunst.


 

András Pálffy

Secession

Ausstellungen sind heute ein wesentlicher Bestandteil einer jeden künstlerischen Strategie. Die programmatischen Grundsätze der Secession – die Verpflichtung zur Freiheit und zum Experiment – sind die Basis für die vielfältigen Ausstellungsprojekte in diesem Haus. Sie führen zu wegbereitenden künstlerischen Lösungen, die durch ihre konzeptuelle Stärke, kritische Haltung und innovative visuelle Argumentation überzeugen und dadurch gleichermaßen herausfordern wie vollkommen begeistern.


 

Gabriele Senn

Verband Österreich-
ischer Galerien Moderner Kunst

Meine Leidenschaft als Galeristin und Sammlerin gehört der Gegenwartskunst. Meine Galerie ist mein Zuhause. Mit Künstlern zu arbeiten und ganz vorne dran zu sein, ist mir wichtig. Die Projekte und Ausstellungen der Künstler, die hier gemeinsam mit Galerien, Sammlungen, Museen und Institutionen entstehen, beeinflussen eine Gesellschaft nachhaltig. Dies ist derzeit sehr intensiv in Wien zu spüren.


 

Inge Scholz-Strasser

Sigmund Freud Museum

Die Ausstellung »Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski – Maler des Meeres« im Bank Austria Kunstforum hat mich in letzter Zeit am tiefsten beeindruckt. Die Werke dieses Künstlers waren außerhalb der ehemaligen Sowjetunion kaum bekannt und bisher in Westeuropa nicht zugänglich. Dabei hat mich vor allem die Zusammenstellung der Arbeiten, deren Tiefe und Abgründigkeit sowie die Gelegenheit fasziniert, das Oeuvre in seiner Entstehungsepoche begreifen zu können.


 

Gerald Bast

Universität für angewandte Kunst Wien

Ich bin ein privilegierter Mensch: Der Ort in Wien, an dem ich mich am liebsten – und bei Weitem am häufigsten – aufhalte, ist die Universität für angewandte Kunst. Sie ist tatsächlich eine Schnittstelle von Leben und Kunst: ein Raum, in dem Kunst und künstlerische Prozesse real sind. Hier sind sie unmittelbar erlebbar mit Menschen verbunden, die um ästhetische Positionen mit allem ringen, was das Leben und die Kunst ausmacht: Sehnsüchte und Ängste, Hoffnungen und Zweifel, Begeisterung und Erschöpfung.


 

Wolfgang Kos

WIEN MUSEUM

Wien bietet ein beachtliches Spektrum an wichtigen Ausstellungen. Persönliche Highlights aus jüngster Zeit: William Kentridge in der Albertina oder »Tropicália – Die 60er in Brasilien« in der Kunsthalle. Und immer wieder zeitgenössische Kunst mit Museumsqualität in den kosmopolitischen Galerien. Besondere Freude machte mir natürlich, dass das große Zeitpanorama des WIEN MUSEUMs im Künstlerhaus – »Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930« – zur erfolgreichsten Themenausstellung der letzten Jahre wurde.


 

Direktor Dr. Christian Strasser/strong>

MuseumsQuartier Wien

Hinter der barocken Fassade der kaiserlichen Hofstallungen befindet sich seit 10 Jahren eines der weltweit faszinierendsten Kulturzentren: Das MuseumsQuartier Wien, mein neuer Arbeitsplatz. Das Aufeinandertreffen von zeitgenössischer bildender Kunst, Tanz, Theater, Architektur, Digitaler Kultur und Kinderkultur erzeugt eine pulsierende Energie, die diesen Ort so anziehend macht. Mehr als 3,6 Millionen BesucherInnen sind jährlich in diesem einzigartigen Areal.